Kunst und Demenz. Ein Leitfaden für Modellprojekte

Das Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen in Görlitz hat im Frühjahr 2017 den Abschlussbericht für das Projekt „Kultur, Kunst und Kulturvermittlung für Menschen mit Demenz“ vorgelegt:

Matthias Theodor Vogt, Kristina Fondis, Karl-Heinz Menzen, Gisela Thiele:
Kunst und Demenz. Ein Leitfaden für Modellprojekte
Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen
Görlitz 2017
DOI: 10.1696/KULTUR-UND-DEMENZ

Im Ergebnis der Studie spricht viel dafür, die kulturelle Bildung – hinweg von einem nice-to-have-Platz unter den amenities (bloßen Annehmlichkeiten) unseres Landes – zu einem must-be-Rang aufzuwerten.

Bitte finden Sie hier den DOWNLOAD Kunst und Demenz Vogt et al. 2017 e-book (5,7 MB) des Berichtes.

Das Vorhaben wurde gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter (KUBIA) in Remscheid durchgeführt.

Demenz: eine der großen Herausforderungen unserer Zeit

Die Vielfalt der in den Kapiteln sechs (Lernen von Best-Practice-Projekten) und sieben (Hundert Erfolgsgeschichten. Ein Überblick) dieses Leitfadens dokumentierten Projekte »Kunst und Demenz« deutet darauf hin, dass die bundesdeutsche Zivilgesellschaft dabei ist, eine der großen Herausforderungen unserer Zeit unmittelbar anzugehen – Demenz.

Beim Anteil der Demenzkranken an der Bevölkerung liegt Deutschland (rund 20 pro 1.000 Einwohner) nach Italien auf Platz zwei in Europa. In der Welt teilen sich Italien, Japan und Deutschland die drei Spitzenplätze. Sie werden sie sich gemäß der OECD-Prognose für 2035 auch langfristig teilen.

Der Anspruch eines jeden auf ein selbstbestimmtes, würdevolles und erfülltes Dasein

Wenn der Mensch altert, verändert sich vieles. (Siehe zu „Alter und Altern“ das Kapitel 1).

Wenden wir aber den Blick weg von einem Begreifen des Menschen als „verzwecktem“ Arbeitsautomaten (Ribbolits 1997), dann müssen wir uns verabschieden von einer defizitären (Abbau-) Sicht auf das Alter. Manches, wie die geistige Leistungsfähigkeit und geistige Leistungsbereitschaft, bleibt in immer breiteren Gesellschaftsgruppen immer länger erhalten. Bei uns allen nehmen die seelische Erlebnisfähigkeit und das Leibgedächtnis im Alter deutlich zu.

Nimmt man eine ressourcenorientierten Sichtweise des Alters auf, geht es nicht primär um materielle Ressourcen, sondern insbesondere um pädagogisch-psychologische, also um intra- und interpersonale Ressourcen, um Fähigkeiten, die sich auf Fertigkeiten, Kompetenzen und unterstützende Beziehungen gründen.

Eines aber bleibt gleich und unantastbar: der Anspruch eines jeden auf ein selbstbestimmtes, würdevolles und erfülltes Dasein. Diesen Anspruch zu achten und zu schützen ist nicht nur Verpflichtung aller staatlichen Gewalt (Artikel 1 Grundgesetz), sondern Verpflichtung jedes Bürgers der Bundesrepublik.

Aber wie ihn einlösen auch gegenüber Menschen, die durch ihre Demenz zunehmend in einer besonderen Welt leben? (Siehe Kapitel 2 "Demenz: Ein facettenreiches Krankheitsbild").

Die Kosten von Demenz

Die Kosten von Demenz werden in den Gesundheitsstatistiken nur teilweise erfasst (siehe Kapitel 3 zu den volkswirtschaftlichen Aspekten von Demenz).

Beispielsweise werden die Betroffenen zu rund 80 % von Angehörigen gepflegt, von denen wiederum rund 75 % von der Care Giver Burden förmlich erdrückt und ihrerseits an psychisch signifikanten Erkrankungen leiden. Zur Anzahl der derzeit rund 1,6 Millionen Personen mit Demenz muss man möglicherweise gut eine Million hochbelastete Angehörige rechnen.

Für viele unter ihnen kann ein Satz stehen, der Arthur Schall in Frankfurt nach einem Museumsbesuch erreichte und der auf das hochkomplexe Verhältnis zwischen Tochter und der ihr entschwindenden Mutter hindeutet. Man sollte ihn zweimal lesen, um die dahinter stehende Tragödie ganz zu erfassen: »Es war eine schöne Zeit, angenehme Stunden mit meiner Mutter zu verbringen und zu erfahren, dass auch sie großen Wert darauf legte, dass es mir gefällt«.

Von den Angehörigen ist selten, zu selten die Rede. Auch um ihretwillen gilt es neue Wege in der Vorbeugung und in der Therapie der Volkskrankheit Demenz zu finden und einzuschlagen. Die Kunst könnte ein Weg sein; nein: ist eine dieser Wege.

Vielleicht am eindrücklichsten ist die Gegenüberstellung der monatlichen Kosten der Kranken- und Pflegekasse für Personen mit und ohne Demenz. Bei Frauen zwischen 60 und 69 Jahren ist es das Fünffache, bei Frauen über 90 Jahren das Doppelte (Barmer Ersatzkasse 2010).

Legt man den von Hans-Helmut König mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ermittelten Mittelwert von 24.000 Euro jährlichen Kosten pro Alzheimerpatient auf die rund 1,6 Millionen derzeitigen Demenzkranken in der Bundesrepublik um, ergibt sich für 2017 ein (wohlgemerkt derzeit noch virtueller) Betrag von 38,4 Milliarden Euro. Er entspricht 1,3 Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts bzw. 12 Prozent Anteil an den Gesamtkosten des deutschen Gesundheitssystems für derzeit 2 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Im Ansatz von König sind die unentgeltlichen Leistungen der Familienangehörigen eingepreist, diese gingen mit den Ansätzen für entgeltlich tätige Pfleger außerhalb des Familienkreises in den – insofern wie gesagt virtuellen – Betrag von 38,4 Milliarden Euro ein. (Zum Vergleich: die laufenden Ausgaben des deutschen Hochschulwesens ohne medizinische Einrichtungen beliefen sich 2014 auf 24 Milliarden Euro. 2016 lag der Verteidigungsetat bei 34,3 Milliarden Euro).

Demographische Veränderungen

Nun steht die Bundesrepublik aber an der Schwelle einer wichtigen demographischen Veränderung. Statt 6,9 Millionen wie in den Jahrgängen 1964–68 gibt es in den Jahrgängen 1974–78. nur noch 4,7 Millionen Menschen (minus 32 Prozent). Das Fehlen von 1,1 Millionen Töchtern (die Söhne sind weniger aktiv in der Betreuung ihrer Eltern) und die Absenkung der Geburtenrate auf einen der letzten Plätze Europas werden sich unsanft bemerkbar machen, wenn die jetzt Alten ganz alt werden und auf die Hilfe jener Angehörigen angewiesen sind. Die es aber immer weniger gibt. Und wenn es sie gibt, dann weit weg von ihnen in anderen Orten. Angesichts des aktuellen Pflegermangels muss man kein Prophet sein, um aus Königs virtuellen Zahlen immer mehr auch reale Zahlen werden zu sehen.

Ob im Rahmen der bislang dominierenden pharmakolgoischen Ansätze hinreichende Mehrmittel zur Bewältigung des Demenzproblems zur Verfügung gestellt werden bzw. überhaupt vorhanden sind, muss bezweifelt werden. Auch in dieser Hinsicht gilt es neue Wege in der Vorbeugung und in der Therapie von Demenz zu finden und einzuschlagen. Die Kunst könnte ein Weg sein; nein: ist eine dieser Wege.

Präventivstrategien

Angesichts der persönlichen ebenso wie der volkswirtschaftlichen Belastungen durch Demenz ist eine ganz andere Frage naheliegend: Wie lässt sich vorbeugen? Wo müssen Präventivstrategien beginnen?

Auf diese Frage gab 2015 eine US-amerikanische Ärztin, Rosebud O. Roberts von der Mayo Clinic, eine empirische Antwort in ihrer Untersuchung Risiko- und schützende Faktoren für frühe Stufen der Demenz bei 85-Jährigen und älteren Personen. Die Studie dauerte 4,1 Jahre und umfasste 256 Personen im Alter von 85+. Untersucht wurden Aktivitäten beim Musikmachen, im bildkünstlerischen Feld (Malerei, Skulptur, Zeichnung), gemeinsame kulturelle Aktivitäten (Theater-, Kino-, Konzertbesuch), Gruppenaktivitäten (Bibelstudium, Diskussionsgruppen), im Handwerklichen (Holz-, Keramikarbeiten), aber auch Zeitungslektüre und Internetnutzung.

Von den 256 zunächst MCI-freien Hochbetagten mit einem Medianalter von 87,3 Jahren entwickelten während der 4,1 Untersuchungsjahre 121 MCI. Dabei betrug (mit einem p-Wert von 0,03) das Hazard Risk 0,27. Anders gesagt: es war um drei Viertel abgesenkt (von 100 % um 73 % auf 27 %), sofern sowohl im Alter von 50 wie auch unmittelbar vor der Untersuchung, also mit ca. 86 Jahren, „artistic activities“ unternommen wurden. Handwerkliche Aktivitäten senkten das Risiko auf 0,63; soziale Aktivitäten auf 0,76. (Die Benutzung eines Computers dagegen erhöhte es auf 1,41, also um die Hälfte).

Offensichtlich stimuliert die Kunst den Geist und erhält ebenso die Hand-Auge-Koordination wie die motorischen Fähigkeiten, effektiver als Gespräche (siehe dazu im Einzelnen und zu weiteren Untersuchungen die Kapitel 4 und 5).

Das reduzierte Risiko bei künstlerischer Betätigung lässt schlussfolgern, dass künstlerische Aktivitäten das ganze Leben über befördert und begünstigt werden sollten

Roberts folgert Konnektivität: »Chronic disease burden increases risk of MCI, whereas certain lifestyle factors reduce risk in persons 85 years and older. This implies that preventive strategies for MCI may need to begin in midlife and should persist throughout late life. The reduced risk with artistic activities suggests that these activities should be promoted throughout life. | Chronische Krankheiten erhöhen das Demenzrisiko milder kognitiver Einschränkungen. Demgegenüber reduzieren bestimmte Formen der Lebensführung das Demenzrisiko bei 85-Jährigen und älteren Personen. Dies wiederum bedeutete, dass Präventivstrategien in der Mitte des Lebens beginnen müssen und das ganze höhere Lebensalter hindurch kontinuierlich erfolgen sollten. Das reduzierte Demenzrisiko durch künstlerische Aktivitäten lässt schlussfolgern, dass künstlerische Aktivitäten das ganze Leben über befördert und begünstigt werden sollten.

Es liegt an der Bundesrepublik, an Bund, Ländern, Kommunen und vor allem den Bürgern selbst, die Bedeutung dieses Befundes zu erkennen und umzusetzen. Die Bundesrepublik Deutschland und insbesondere ihre Krankenkassen befinden sich in einem wie gezeigt volkswirtschaftlich fast nicht zu schulternden Dilemma. Roberts‘ Befunde für eine spätestens in der Lebensmitte einsetzende systematische Ausübung eigenkünstlerischer und kunstrezeptiv-sozialer Aktivitäten (die, siehe Kapitel 4, von zahlreichen Praxisbefunden und noch zu wenigen Felduntersuchungen gestützt werden) könnten für die Bundesrepublik und ihre Kassen zu einer wesentliche Stütze werden. Es sind offensichtlich die 50-Jährigen, bei denen Volkshochschulen und andere – bei Yoga etc. schon lange nicht mehr belächelte – Träger effektiver Gesundheitsvorsorge ansetzen und die Zusammenarbeit mit den Kultureinrichtungen und -vereinen suchen sollten.

Auch volkswirtschaftlich spricht plötzlich viel dafür, die kulturelle Bildung – hinweg von einem nice-to-have-Platz unter den amenities (bloßen Annehmlichkeiten) unseres Landes – zu einem must-be-Rang aufzuwerten.

Ein stigmatisierender Terminus

Historisch gesehen gehört Demenz zu den stigmatisierenden Termini. »Der Demenzbegriff wurde im 18. Jahrhundert in der Juristen- und Umgangssprache für jede Form geistiger Störung gebraucht. [...] Ende des 18. Jahrhunderts bildete sich unter Ärzten die Bedeutung eines Nachlassens der intellektuellen Kräfte und der Unfähigkeit zu logischem Denken heraus« (Peters 1999). Erst spät wurde zwischen Schizophrenie (dementia praecox, »vorzeitige Verblödung«) und Demenz selbst unterschieden.

Bald drei Jahrhunderte später tut sich die Medizin außerordentlich schwer mit einem Perspektivenwechsel weg von der verwahrenden Pflege und hin zu einer sozialtherapeutischen Haltung, analog zur Überwindung der Verwahrpsychiatrie von Schizophrenen durch die Reform der siebziger Jahre. Angestoßen unter anderem durch die israelische Demenzforscherin Jiska Cohen-Mansfield, wurde ein solcher Perspektivenwechsel beispielsweise bei der Tagung »Demenz und Person« in der nordrhein-westfälischen Akademie der Wissenschaften in Düsseldorf 2014 diskutiert.

Noch aber resümiert der Welt-Alzheimer-Bericht 2012 lapidar: »Stigmatisierung behindert nach wie vor die Fortschritte bei allen Demenz-Initiativen, wie etwa bei der Verbesserung der Betreuung und Unterstützung von Menschen mit Demenz und der familiären Betreuer als auch der Bereitstellung von Forschungsmitteln. [...] Menschen mit Demenz und deren Pfleger fühlen sich aus der Gesellschaft ausgegrenzt, manchmal sogar von ihren eigenen Freunden und Verwandten. Sie wollen einfach nur wie normale Menschen behandelt werden, wobei ihre Fähigkeiten im Mittelpunkt stehen sollen, nicht ihre Beeinträchtigungen«.

Aktuelle Forschungsergebnisse

Die in den Kapiteln 4 und 5 vorgestellten Forschungsergebnisse zu künstlerischen Kompetenzen und Ressourcen dementiell veränderter Menschen sowie die zunehmende Zahl von erfolgreichen Kulturprojekten für diese Zielgruppe bergen gesundheits- und sozialpolitischen Sprengstoff, da sie zum dominierenden bio-medizinischen Paradigma der Demenzbehandlung einen kulturorientierten Kontrapunkt darstellen.

Statt des Demenzkranken, der medizinischer Hilfe bedarf, gerät wesentlich mehr die Person mit dementiellen Veränderungen in den Blick, deren Personsein nicht ausschließlich durch die Demenz und die damit verbundenen Beeinträchtigungen definiert ist.

Die kognitiven Beeinträchtigungen der Demenz haben keinen maßgeblichen Einfluss auf kulturelle Interessen und Bedürfnisse, die biografisch gewachsen und im Leibgedächtnis verankert sind. Die Ermöglichung, diese unter fachkundiger Hilfe auch zu verwirklichen, ist die zentrale gesellschaftliche Aufgabe zur Inklusion dementiell veränderter Menschen in die Gesellschaft.

Strategiebildung

Für die Strategiebildung von Bund und Sozialversicherungen sowie für Einrichtungen der Alterstherapie, -pflege etc. sind zwei Fragestellungen von besonderem Interesse.
(a) Der Schutz vor Erkrankung. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die biologischen Veränderungen einen Vorlauf von mindestens 20 Jahren umfassen und in einem multikausalen Umfeld auftreten, also einerseits schwer zu fassen sind, andererseits eine Präventionsstrategie erst langfristig Früchte tragen wird. Je später sie begonnen wird, umso mehr verzögern sich die Effekte.
(b) Der Nutzen, wenn der Betreffende bereits erkrankt ist. Hier wiederum wäre zu unterscheiden zwischen
i. Erhalt und Stärkung der existierenden Fähigkeiten mit besonderem Blick auf die Förderung der Lebensqualität und der salutogenetischen (gesundheitsstimulierenden) [Effekte einerseits;
ii. Stärkung / Entlastung der Angehörigen und Pflegekräfte andererseits.

Aufgabe von Bund und Kassen wäre es, in den kommenden Jahren die an der Mayo-Klinik eruierten Befunde einer klinischen Begutachtung in einem größeren Maßstab von wenigstens 1.000 Partizipanten und den unterschiedlichen Kunstformen zu unterziehen, um Kunsttherapien mit einem Evidenzgrad versehen und eindeutig empfehlen zu können.
Mit den §§ 45 und 45c SGB XI auf der Ebene der Pflegekassen stünden bereits gewisse Mittel bereit. Im Rahmen eines gemeinsamen Bund-Länder-Programmes mit internationaler Vernetzung sollten ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden, um die Kunst als neuen Weg (a) in der Vorbeugung und (b) in der Therapie von Demenz zu befestigen.

Ein internationaler Forschungsansäatz

Die Länder Deutschland, Italien und Japan teilen sich, wie bereits erwähnt, weltweit die drei ‚Spitzenplätze‘ beim Anteil der Demenzkranken an der Bevölkerung und werden sie sich in der OECD-Prognose für 2035 auch langfristig teilen. Diese drei Länder sollten daher gemeinsam vorangehen, um Kunst & Demenz intensiv zu untersuchen und nicht-pharmakologische Therapien in gleicher Weise wie die pharmakologischen in den Fokus von Forschungsanstrengungen zu stellen. Erstere werden von der internationalen Politik – siehe den Cameron-Gipfel 2013 – noch immer nicht hinreichend berücksichtigt; dabei gibt es mittlerweile Übersichtsstudien, die die Effektivität nicht-medikamentöser Interventionen in Bezug auf Kognition, Verhalten, Stimmung, körperliches Wohlbefinden, Alltagsaktivitäten und Lebensqualität Demenzerkrankter belegen (z. B. Fritz et al. 2008; Olzarán et al. 2010).

Insbesondere gilt es, interdisziplinäre wissenschaftliche und mehrdimensionale Forschungsansätze zu befördern. Beispielsweise kann der Abbau von kognitiven Leistungseinschränkungen bei rein querschnittlichen Erhebungen zu Fehlinterpretationen führen, so dass verstärkt längsschnittliche Methoden eingesetzt werden sollten, um objektive Ergebnisse erzielen zu können.

Künstlerische Hochwertigkeit als Voraussetzung

Für die Zivilgesellschaft und die aktiven unter den Kultureinrichtungen gilt: Sprechen kulturelle Angebote Demenzbetroffene an und sind qualitativ hochwertig, so stellen sich nach Harthog (siehe Kapitel 4) quasi automatisch positive Wirkungen auf Lebensqualität und dementielle Symptome ein, sodass die ästhetische und die funktionale Seite der Kultur nicht getrennt betrachtet werden können, sondern eher zwei Pole auf einem Kontinuum darstellen.

Künstlerische Hochwertigkeit, das Besondere, ist gerade hier im Zusammenhang von Kunst & Demenz ein entscheidender Schlüssel – hochwertige Angebote von gut ausgebildeten Künstlern und Vermittlern.

Zu den Autoren

Matthias Theodor Vogt, Prof. Dr. phil. Dr. habil. Prof. h.c. Dr. iur. h.c. Nach dem Studium der Theaterwissenschaften mit Philosophie, Musik- und Literaturwissenschaften Theatertätigkeit, u.a. an den Salzburger und den Bayreuther Festspielen. 1992–1995 Konzeption, Durchsetzung, Umsetzung des Sächsischen Kulturraumgesetzes. Gründungsdirektor des Instituts für kulturelle Infrastruktur Sachsen (IKS) seit 1994. Professor für Kulturpolitik und Kulturgeschichte an der Hochschule Zittau/Görlitz seit 1998. Gastprofessuren und Gastdozenturen an der Technischen Universität Dresden, der Karls-Universität Prag, der Universität Breslau, der Università degli Studi del Sannio Benevent, der Jagiellonen-Universität Krakau, der Universität Wien, der Universität Kobe. 2012 Ehrenprofessor der Universität Pécs und Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, 2017 Ehrendoktor der Ilia Universität Tiflis. Forschungen unter: , Publikationen unter: <http://kultur.org/wordpress/wp-content/uploads/Vogt_CV_lang_160110.pdf>, Mail: <vogt@kultur.org>.

Kristina Fondis, Dipl.-Soz., ist beim Deutschen Volkshochschul-Verband tätig. Studium der Soziologie mit Schwerpunkt auf Soziale Ungleichheit und Familie; von 2015–2016 Wissenschaftliche Volontärin am Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen. Mail: <kfondis@gmx.net>.

Karl-Heinz Menzen, Prof. Dr. phil. habil., Dipl.-Theol., Dipl.-Psych./Klin. Psychologe, Psychol. Psychotherapeut / Zulassung in Deutschland und Österreich, Supervisor BDP. Nach einem dreijährigen Klosteraufenthalt in der Nähe Wiens als Mönch ein abgeschlossenen Philosophie-, Theologie- und Psychologiestudium. Dissertation über Ganzheits- und Gestaltlehren seit der Romantik im Fach Erziehungswissenschaft/Erziehungsphilosophie. 1975 habilitiert an der TU Berlin im Fachbereich Erziehungswissenschaft über Ästhetisches/Symbolisches Verhalten von Heranwachsenden, mit der Lehrbefugnis: Ästhetische Sozialisation. Erste Seminare über Kunst-Therapie. 1982 Organisation des ersten kunsttherapeutischem Ausbildungs- als Modellsstudiengang an einer dt. Hochschule an der Hochschule der Künste Berlin. Mitbgründer und 2. Vorsitzender der Dt. Gesellschaft für Kunsttherapie. Mitherausgeber der Zeitschrift ‚Kunst & Therapie‘; seit 2013 Leitung des Studiengangs Kunsttherapie an der Sigmund-Freud-Universität Wien und Berlin. Publikationen, Forschungen und Projekte unter: , Mail: <Karl-Heinz.Menzen@t-online.de>.

Gisela Thiele, Prof. Dr. oec. habil., seit 1992 Professorin für Jugend- und Familiensoziologie sowie Gerontologie an die Hochschule Zittau/Görlitz. Studium und wissenschaftliche Assistentin am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Leipzig, 1984 bis 1990 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Jugendforschung, Leipzig; 1991 Habilitation (Soziologie) Dr. oec. habil. an der Martin-Luther-Universität zu Halle; 1991-1992 Abteilungsleiterin für Empirische Sozialforschung am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln; 1995 Gastprofessorin an der Michigan State University in Lansing, Michigan (USA); 2008–2015 Dekanin der Fakultät Sozialwissenschaften an der HS Zittau/Görlitz. Publikationen und Forschungen unter <https://f-s.hszg.de/personen/gisela-thiele/home.html>. Mail: <g.thiele@hszg.de>.

Sommerschule Kunst und Demenz

Öffentlicher Höhepunkt des Projektes war die Internationale Sommerschule der Künste. Kunst und Demenz 28.09. – 02.10.2015, Haus Klingewalde, Görlitz, mit zahlreichen führenden Vertretern aus Wissenschaft und Praxis, in Kooperation u.a, mit dem Deutschen Kulturrat. Bitte finden Sie hier nähere Informationen.

Wir danken für ihre aktive Mitwirkung:

Theo Hartogh
Elisabeth von Leliwa
Katrin Temme
Tina Richter
Christian Zimmermann
Yvonne Kündig
Jochen Schmauck-Langer
Arthur Schall
Sybille Kaster
Michael Ganß
Anne Schaaf

sowie

Ulf Großmann, Kuratoriumsvorsitzender des Instituts für kulturelle Infrastruktur Sachsen und Anreger dieser Studie
Almuth Fricke, Leiterin kubia – Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter, Remscheid
Prof. Dr. Andreas Hoff , Leiter Studiengang Soziale Gerontologie
Dekan der Fakultät Sozialwissenschaften der Hochschule Zittau/Görlitz
Dr. med. Stefan Zeller, Direktor Geriatriezentrum Ostsachsen
Dr. med. Loretta Farhat, Ärztliche Direktorin des Sächsischen Fachkrankenhauses Großschweidnitz
Etienne Emard, Geschäftsführer des Landesmusikrats Rheinland-Pfalz
Jürgen Vollbrecht, Direktor des Stadtmuseums Bautzen
Simone Hartmann, Leiterin der Landesvertretung Sachsen der Techniker Krankenkasse
Paul-Friedrich Loose, Leiter der Landesvertretung Sachsen der Barmer GEK

und den Künstlern

Günter Baby Sommer (Schlagwerk)
Hartmut Dorschner (Saxophon)
Kazumi Hashimoto (Harfe)
Martin Bandel (Fagott)
Björn Bewerich (Pianoforte)
Sven Rössel (Kontrabaß)
Valentin Haacke (Clownerie).

Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse bilden eine wesentliche Grundlage dieser Publikation.

Zu den Illustrationen von Ivan Zadori

Iván Zádori wurde 1976 in Kaposvár, Südwestungarn, geboren und kaufte seine ersten Acryl-Farben 1995. Er malt besonders gerne unterschiedliche Typen von Gebäuden und die Natur. Seine Bilder sind eine Art von Stilleben, jedoch nicht im klassischen Sinn: Bemerkenswert sind die jeweils spezifisch aufeinander abgestimmte Farbigkeit der einzelnen Bildsegmente und das Spiel dieser Farbigkeit mit einer fast ins Flächige gehenden schein-naiven Konturiertheit der Segmente. ZÁDORI fügt unterschiedliche Ausdrucksweisen in ein Bild ein, die Ergebnisse sind oft atypisch mit hohem Symbolgehalt. In diesem Sinne sind seine Bilder keine Abbildungen von Wirklichkeit, seine Kunst versucht Welterfahrungen zu vermitteln.

Seit 1996 wurden die Werke von Ivan Zadori in verschiedenen Ausstellungen gezeigt, seine Bilder finden sich in ungarischen Museen und in Sammlungen auf drei Kontinenten. »Kunst und Demenz. Ein Leitfaden für Modellprojekte» ist die erste Buch-Ausstattung von Ivan Zadori. Jedes der Bilder spiegelt eine spezifische Qualität des impliziten bzw. prozeduralen Gedächtnisses, das bei Alzheimerbetroffenen weitgehend erhalten bleibt und ästhetische Erfahrungsräume eröffnet.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist Dr. Ivan Zadori PhD Professor und Vizedekan an der Fakultät für Kulturwissenschaften, Bildung und Regionalentwicklung der Universität Pécs (Fünfkirchen). Seit 2002 arbeitet er an der Universität im Bereich Kulturmarketing, -management und
-ökonomie sowie Nachhaltige Erwachsenenpädagogik.

Kooperationen

An der Hochschule Zittau/Görlitz hat die Fakultät für Sozialwissenschaft in den vergangen Jahren Expertise im Bereich Demenz aufgebaut, die Fakultät Management- und Kulturwissenschaften Expertise in den Bereichen Kultur- und Gesundheitsmanagement.

Das KUBIA - Kompetenzzentrum für Kultur und Bildung im Alter im Institut für Bildung und Kultur, Remscheid, ist einer der führenden Erfahrungsträger in diesem Bereich.

Das Dr. Kahlbaum Kompetenzzentrum für Gesundheit Görlitz ist derzeit im Aufbau; es versammelt eine Vielzahl einschlägiger Einrichtungen unter einem trikulturalen Ansatz.