20 Jahre Studiengang "Kultur und Management Görlitz"

Studenten

universitär, kreativ, solide

„Mobilizing support for the arts has become an art in itself. It calls for individuals combining economic flair, a grasp of social legislation, familiarity with an increasingly diverse cultural scene, and an uncompromising commitment to meticulous organization.“ (Begründung des Generaldirektors der UNESCO, Federico Mayor, für die Übernahme der Schirmherrschaft über den Studiengang „Kultur und Management Görlitz“)

Am 16. November 2017 galt es zu feiern: Vor zwanzig Jahren haben die Hochschule Zittau/Görlitz und das Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen gemeinsam den Kulturmanagement-Studiengang „Kultur und Management“ Görlitz gegründet. Inzwischen ist er mit Partnerhochschulen in zahlreichen Ländern verbunden. Die "<strong>KuMas</strong>", wie die Studierenden sagen (bzw. Absolventen von „WK“, wie die Hochschule sie nennt) sind europaweit und darüber hinaus tätig – an Theatern, Goethe-Instituten, Museen, Kulturverbänden, in Musik- und Kunstprojekten, in Botschaften und als Hochschullehrer.

Aus diesem Anlaß haben wir Professor Karl-Siegbert Rehberg von der TU Dresden gebeten, über „Politikverzicht als Zeitsignatur?“zu reflektieren und mit Ihnen ins kritische Gespräch zur aktuellen Lage – auch in Ostsachsen – zu kommen. Anschließend fand ein Empfang statt – wir danken Nicolas Schulmann FIO SYSTEMS Leipzig, Lehleiter + Partner, dem Autohaus Klische und der Landskron Brauerei für ihre freundliche Unterstützung!

 

Grußworte

Kulturstiftungspräsiden Ulf Großmann

Magnifizenz Albrecht, Magnifizenz Dierich,  liebe Hochschullehrer und Studenten,  liebe Freunde des Studienganges „Kultur und Management Görlitz“!

Es ist kälter geworden, wir müssen uns wärmer anziehen. Nicht nur weil es Herbst geworden ist. Das ist normal. Nein, auch weil vor wenigen Wochen unsere einigermaßen heile Welt politisch ins Wanken gekommen ist. Wenn Sie aus diesen Fenstern schauen und etwas weiter gucken könnten, würden Sie einige Dörfer der Oberlausitz mit über 40 % Protestwählern bei der letzten Bundestagswahl erblicken. Menschen sehen, die sich allein gelassen fühlen und ihre Probleme nicht ernst genommen sehen. Die mit der „Neuen Unübersichtlichkeit“ des 21. Jahrhunderts  wie es Odo Marquard vor Jahren schon bezeichnet hat nicht zurechtkommen, die danach rufen, dass sich doch etwas ändern müsste, ohne so recht zu wissen was sich und wie etwas ändern soll. Kurz: Die mit den gewaltigen Transformationsprozessen der letzten Jahre im Unfrieden leben. Es mutet mithin wie eine Vorahnung des heute Eingetretenen an, wenn man liest, dass der damalige Sächsische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Professor Hans Joachim Meyer, als Gründungsimpuls des Instituts für kulturelle Infrastruktur Sachsen 1994 „die Notwendigkeit, für Kunst und Wissenschaft neue, der freiheitlichen Gesellschaft entsprechende institutionelle und Förderungsformen zu finden, um inmitten gravierender Transformationsprozesse auch für ihr geistiges Leben geeignete Foren zu erhalten und weiterzuentwickeln.“ beschrieb. In Ihnen, Altrektor Peter Dierich, im damaligen Dekan des Fachbereiches Wirtschaftswissenschaften, Peter Hedrich, und in mir, damals Kulturbürgermeister der kreisfreien Stadt Görlitz, fanden Staatsminister Meyer und Matthias Theodor Vogt, der Gründungsdirektor des Institutes, Partner, um ein für das geistige Leben der jungen Menschen geeignetes Forum zu gründen, eben den Studiengang „Kultur und Management“.

1996 hatte das IKS die Implementierung des Sächsischen Kulturraumgesetzes abgeschlossen. Sachsens Kommunen hatten nun mehr Planungssicherheit und auch  Geld für ihre Theater, Opernhäuser, Museen, Bibliotheken und die allgemein Kulturarbeit.  Was fehlte, war ein frischer Wind in den Einrichtungen in Bezug auf das neuverbundene Europa. Was fehlte, war eine neue Generation von begabten und kreativen Kulturmanagern. Ein idealer Ort hierfür war die Europastadt Görlitz/Zgorzelec mit ihrer hohen Sichtbarkeit und Überschaubarkeit für Studenten und ihre Projekte.  Es war bei der Einweihungsfeier des Studentenwohnheims Hirschwinkel, daß wir die entscheidende Verabredung trafen. Mitte September 1996 riefen dann Sie, Magnifizenz Dierich, bei Matthias Theodor Vogt an, daß die Vorarbeiten beginnen könnten.  In der unglaublich kurzen Zeit von elfeinhalb Monaten war das Konzept ausgearbeitet; übrigens nach Krakauer Vorbild und mit Krakau wurde dann lange vor Bologna ein erstes Double-/Dual Degree verabredet und realisiert.  In wenigen Monaten waren die Studiendokumente verabschiedet, übrigens für Trimesters mitten in einer Semesterhochschule. Waren Kooperations- und Stipendienverträge mit Krakau, mit Riga, mit Prag, mit Debrecen geschlossen. Erschienen Pressebeiträge in Frankfurter Allgemeinen, Süddeutschen Zeitung, Sächsischer Zeitung. (Einer der künftigen Studenten erfuhr vom Studiengang am Schwimmbadrand aus der Bild-Zeitung).  Am 1. September 1997 eröffnete der Präsident der deutschen UNESCONationalkommission, Klaus Hüfner, am Eulenpult des Kulturhistorischen Museums den Studiengang. Nach vier Wochen eines hochintensiven Propädeutikum konnten sich die Studenten entscheiden, ob sie bleiben wollten. Und sie blieben! Und wie! Die Stadt wurde über die Jahre voll von ihren Projekten, ihren Ideen und studentischer Umtriebigkeit. Bei der Vorbereitung auf den heutigen Tag fiel mir auf, dass die Geschichte des Studienganges noch geschrieben werden muss. Das kann und will ich heute nicht leisten.

Ich will nur kurz vier Punkte benennen.  1. Immer treffe ich, wenn ich in den unterschiedlichsten Missionen in Sachsen, Deutschland und der Welt unterwegs bin auf Studierende /Alumni aus dem Studiengang oder auf ihre Spuren, die sie hinterlassen haben.  Ich könnte viele Beispiele nennen. Jedes Mal staune ich auf Neue über den guten Ruf, der die Arbeit der Absolventen begleitet. 2. Der zweite ist der Haushalt des Institutes.  Als Dank für Konzeption, Durchsetzung und Umsetzung des Kulturraumgesetzes hatte es von 1994–1999 insgesamt 3 Mio. DM vom Freistaat als Gründungssumme erhalten. Hiervon investierte das Institut mehr als die Hälfte, über 1,5 Mio. DM in die Gründung des Studienganges.  3. Das dritte ist ein in Sachsens neuerer Hochschulgeschichte vermutlich singulärer Fall von Mut. Als im ersten Jahr der Studiengangsgründung die künstlerischen Workshops durch die Stadt tingelten und mehr Zeit für Aufbau und Abbau der Materialien verplempert wurde als für die Kunst selbst zur Verfügung stand, da setzte die Hochschule eine Kommission ein, die nach einem für die Kunstzwecke geeigneten Gebäude suchen sollte. Hier in Haus Klingewalde wurde sie fündig, dem Idealort für wissenschaftliche Reflexion, künstlerische Betätigung und fröhliche Feiern wie die heutige. Der Freistaat Sachsen konnte jedoch das Gebäude solange nicht ankaufen, wie der Studiengang nur befristet existierte. In dieser kritischen Situation übernahm Professor Vogt eine persönliche Bürgschaft über 1,5 Mio. DM, damit das Institut das Haus ankaufen und der Hochschule mietweise zur Verfügung stellen konnte. Man muß schon sehr von einem Studiengangsprojekt überzeugt sein, um so etwas zu leisten und seine Familie damit zu belasten! Ich denke, heute ist der Tag, um Ihnen dafür in aller Form zu danken. 4. Mein vierter und letzter Punkt ist ein wehmütiger Blick zurück. Leipzig war zunächst in der Diskussion als Studiengangssitz. Aber Görlitz wurde vom Institut dann deshalb ausgesucht, weil es keine rein deutsche, sondern eine deutschpolnische Stadt ist, eben Görlitz/Zgorzelec mit einem lebendigen Miteinander zweier Sprachen und Denkweisen. Ein Tor zu Mitteleuropa, wie Ihr Pécs, lieber Zoltan Huszar, ein Tor ist zu Südosteuropa.

Mit Freude erinnere ich mich an die klugen lettischen Studentinnen der ersten beiden Jahrgänge, an die polnischen, tschechischen, ungarischen, serbischen und bulgarischen. Möglich machten dies Stipendien zu je 400 DM pro Monat, die zunächst vom Institut bereitgestellt wurden. Ab September 1999 mußten dann mühsam bis zu 8.000 DM pro Monat für die bis zu 20 mitteleuropäischen Studenten Mittel bei Rotary, bei unserem Lions-Club, Magnifizenz, bei Wüstenrot und beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft eingeworben werden. Der Gewinn aber war enorm: Die mitteleuropäischen Studenten prägten den Studiengang ungemein, der innerdeutsche Ost-West-Gegensatz fiel da überhaupt nicht mehr ins Gewicht. Die heutigen KuMa‘s kommen vor allem aus Deutschland, wenn auch aus allen seinen Teilen, und nicht aus dem weiteren Europa. Hierzu fehlt es an Stipendien. Nicht wie bei Erasmus für das eine oder andere Gastsemester, sondern schon ab Studienbeginn, als reguläre Mitstudenten wie vor nunmehr zwanzig Jahren. Magnifizenz, ich wünsche Ihnen und Ihren Hochschulkollegen eine glückliche Hand bei der Erneuerung des Studienganges! Sagen Sie weiterhin Ja zu Europa und zu einer Begegnung der Völker hier in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec und in der Euroregion Neiße.

Vor wenigen Wochen ist politisch unsere einigermaßen heile Welt ins Wanke gekommen. In dieser Situation hat die Hochschule eine enorme Verantwortung, um inmitten der von so vielen Mitbürgern als gravierend empfundenen Transformationsprozesse auch für das geistige Leben geeignete Foren zu erhalten und weiterzuentwickeln, wie es Staatsminister Meyer so wunderbar 1994 formuliert hat.. Was wäre, liebe Freunde des Studienganges „Kultur und Management Görlitz“, dafür geeigneter als eben dieser Studiengang?

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Rektor Friedrich Albrecht

Liebe Festgäste aus Görlitz/Zgorzelec und Zittau,  aus Dresden, Chemnitz und Leipzig,  aus Freiburg, München und Saarbrücken,  aus Breslau und Oppeln, Pécs, Rouen und Tiflis,

schon diese kleine Aufzählung zeigt, wie international angesehen unser Studiengang „Kultur und Management Görlitz“ ist, der vor nunmehr zwanzig Jahren gegründet wurde. Mit seinen Workshops hat der Studiengang hier in Haus Klingewalde eine künstlerische Heimat gefunden, von der aus unsere Absolventen bis nach Kobe in Japan, in Neapel, Krakau, Riga, Pécs und natürlich quer durch Deutschland erfolgreich tätig wurden und erfolgreich tätig sind.

Ein großer Name, Federico Mayor, der damalige Generaldirektor der UNESCO, begründete seine Übernahme der Schirmherrschaft für den Studiengang mit den Worten: „Mobilisierung von Unterstützung für die Kunst ist eine Kunst für sich geworden“ – und er hatte dabei Leute im Blick, deren Kompetenzen sich in ökonomische Finesse, in einem Gespür für soziale Gesetzgebung, in Vertrautheit mit einer diversen Kulturszene und Fertigkeiten der Organisationsentwicklung auszeichnen.

Wie wir spätestens im September dieses Jahres nach der Bundestagswahl gesehen haben, gelten diese Anforderungen nicht nur für die Kunst, sondern für die gesamte Gestaltung unseres sozialen Zusammenlebens. Vielleicht könnte man den Gedanken heute sagen: „Mobilisierung von Unterstützung für soziale Kohäsion ist eine Kunst für sich“.

Ich bin Ihnen, Herr Kollege Rehberg, daher sehr dankbar, dass Sie die Frage „Politikverzicht als Zeitsignatur?“ in den Mittelpunkt Ihres heutigen Festvortrags und der anschließenden Diskussion stellen. Ebenfalls freue ich mich, dass ich morgen früh die TRAWOS-Novembertagung zu einem der für Sachsen wirklich drängenden Themen eröffnen darf: „Gesellschaftlicher Zusammenhalt und interkulturelle Integration“. Was wäre Wissenschaft ohne das Interesse am Anderen?

Die Hochschule Zittau/Görlitz ist stolz, dass es unseren Studenten und Hochschullehrern Jahr für Jahr gelingt, Mittel- und Osteuropa als soziale und kulturelle Wirklichkeit lebendig zu erfahren. Um nur die letzten Monate kurz Revue passieren zu lassen: Im September fuhren 12 Studenten zur Ilia Partner-Universität Tiflis für eine deutsch-georgische Sommerschule „200 Jahre deutsches Kulturerbe im Südkaukasus“. Anfang Oktober fuhren 32 Studenten ins ungarische Pécs zum 650. Gründungsjubliläum unserer Partner-Universität. Von dort ist heute eine neunköpfige Delegation eigens zum zwanzigjährigen Bestehen des Studiengangs nach Görlitz gekommen. Herzlich darf ich Sie begrüßen! Gerne werde ich kommendes Jahr wiederum zu Ihnen kommen.

Am Forum Mitteleuropa von Landtagspräsident Matthias Rößler nimmt „Kultur und Management“ als einziger der sächsischen Studiengänge regelmäßig teil; so im Oktober in Bratislava. An der TU Chemnitz und gemeinsam mit unserem DAAD-Gastprofessor Togooch Dorjdagva, Ulaan Baatar veranstalteten wir am 2. November 2017 in Chemnitz einen Studientag „Mongolei“. Umgekehrt ist die Welt fast wöchentlich in Görlitz zu Gast im Rahmen unseres Ost-West-Kollegs. Ebenfalls bringt die kulturpolitikwissenschaftliche Forschung im Zusammenhang des Studiengangs laufend internationale Expertinnen und Experten nach Görlitz. Aus Forschungsmitteln der Hochschule konnten in diesem Herbst Kandidaten aus Ungarn, Georgien und der Mongolei AnschubStipendien für kooperative Promotionen zugesprochen werden.

Die Hochschule Zittau/Görlitz mag klein sein und sie ist als Hochschule für Angewandte Wissenschaft eine mit einem regionalen Auftrag, aber sie ist – gerade im Studiengang Kultur und Management – auch ein Fenster zur Welt.

Was bringt die Zukunft? Aktuell in Überlegung (wenn auch noch nicht beschlossen und ich Fakultätshoheiten nicht vorgreifen will) sind zwei Vertiefungsrichtungen, die wichtige Veränderungen in der europäischen Kulturszene spiegeln:

Interkulturalität. In diesem Zusammenhang hat die Alexander-vonHumboldt-Stiftung gerade Prof. Dr. David Paitschadse, Tiflis, den ich ebenfalls heute herzlich begrüßen darf, ein Forschungsstipendium für das Görlitzer Wintersemester 2017/18 zugesprochen.

Kreativwirtschaft, entsprechend dem besonderen Potential der Region an entsprechenden Impulsen und im Rahmen der gesamtsächsischen Strategie des Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium.

Man muss sich immer treu bleiben, darf dabei aber die Selbsterneuerung nicht vernachlässigen.

Dass dies weiter gelingen möge, wünsche ich dem Studiengang Kultur- und Management für die nächsten 20 Jahre. Und dass man dann sagen kann: Auch diese Kunst wurde beherrscht.

Herzlichen Dank.

 

Altrektor Peter Dierich

Drei Worte: universitär, kreativ, solide

Das erste Wort universitär kann gleich missverständlich sein; es ist nicht im Sinne „einer Universität zugehörig“ gemeint, sondern eher im Sinne breitgefächert bzw. allumfassend. Es war eine gemeinsame Interessenlage dreier Parteien: Ministerium, Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen (Dresden) und Hochschule, die uns zur Gründung des Studiengangs zusammengeführt hatte. (Eine gemeinsame Interessenlage dreier Parteien wünschte man sich sicher auch heute bei den Jamaika-Sondierungen). Die gemeinsame Interessenlage war die Erweiterung und der Ausbau des typischen FH-Studienangebotes, speziell an den inhaltlichen Rändern. Drei Personen (Minister Meyer, Prof. Vogt, meine Person), sicher in den Charakteren etwas unterschiedlich, waren sich aber im Ziel sehr einig: Ansiedlung eines Studienganges „Kultur und Management“ am Standort Görlitz der HS Zittau/Görlitz im Rahmen des Hochschulsonderprogramms II. Universitär: als Gegensatz zu F a c h Hochschule (wissenschaftliche Enge), nicht bezogen auf das wissenschaftliche Niveau, sondern als Gegensteuerung zu Geburtsfehlern der Fachhochschulen der siebziger Jahre, die sich – leider wie selbstverständlich – in den Empfehlungen des Wissenschaftsrates für den Aufbau der FH´s Anfang der neunziger Jahre für die neuen Bundesländer wiederholten.  Mit den verordneten Studienangeboten des Wissenschaftsrates wäre die Hochschule Zittau/Görlitz kaum überlebensfähig gewesen, so dass es – aus meiner damaligen und heutigen Sicht - vordringlichste Aufgabe des Gründungsrektorates war, ein zukunftsfähiges Profil für die Hochschule zu schaffen. Das zeigte sich dann in der Errichtung von 13 doch sehr unterschiedlicher Diplomstudienangeboten. Zwei von den 13 möchte ich hier hervorheben, und obwohl ich Mathematiker bin, sind es keine naturwissenschaftliche Studiengänge, die auch neu eingerichtet wurden, sondern eben „Kultur und Management“ – dessen wir heute gedenken – und „Kommunikationspsychologie“, eben wegen der damit verbundenen Ausweitung des Studienprofils.

Das zweite Wort: kreativ bezieht sich vor allem auf eine erwünschte, erwartete Eigenschaft der Akteure und der zukünftigen Studentinnen und Studenten des neuen Studienganges. Dies hat sich auch bald in vielfältiger Weise gezeigt, u.a. in Aktivitäten Biblisches Haus oder fröhlicher Semesterauftakt in Görlitz. Bezüglich der Kreativität des Studiengangs und im Studiengang hatte ich nie Bedenken: Es gehört quasi zum Inhalt (vielleicht eher als bei der Immobilienwirtschaft): Kreativ zu sein, auch im Sinne, Anderes zu bereichern.  Eine ganz andere Art von Kreativität wurde von der Hochschulleitung bei der Stellenverstetigung erwartet. Der SG war im Rahmen des zeitlich begrenzten HSP II eingeführt worden. Das war – vorsichtig bezeichnet – eine rechtliche Grauzone, zwar mit der wohlwollenden Duldung des Ministers, aber das löste nicht das Problem, dass vier Jahre später die Personen da waren, aber nicht die Stellen dafür. Wenn ich mich recht erinnere, stammt das Wort des Ministers aus dieser Zeit: „Damals war ich Minister, jetzt habe ich ein Ministerium“. Hier sei nur so viel gesagt, der Studiengang war viel zu erfolgreich, es musste eine Lösung gefunden werden.

Drittes (und letztes) solide. Nicht unstrittig ist, dass ein solcher SG kreativ sein muss, aber wie sieht ein konkretes Curriculum dafür aus, vielleicht sogar mit einer kleinen wirtschaftsmathematischen Komponente. Ist das nicht eher unverträglich? Fühlt sich das nicht wie Feuer und Wasser an? Einig waren wir uns rasch, dass eine „Verankerung“ der speziellen Studieninhalte in einer wirtschaftswissenschaftlichen Grundlagenausbildung erfolgt. Eine Verankerung oder Erdung wie Sie wollen, aber ohne die Spezifik zu erdrücken. Und – zumindest aus meiner Sicht – hat sich auch diese Solidität bewährt. Dies kann ich auch aus eigener Erfahrung, als einer, der fast ein Jahrzehnt lang die Wirtschaftsmathematik in diesem Studiengang gelehrt hat. Ich habe dies mit Freude getan (manche meiner Mathematik-Kollegen könnten das als ironische Bemerkung vermuten). Nein, die Art wie die Studierenden, die den Studiengang Kultur und Management höchstwahrscheinlich nicht aus Liebe zum Fach Mathematik gewählt hatten, dieses Fach respektiert und angenommen haben, hat mir imponiert.  Vielleicht noch ein Allerletztes, Persönliches, warum ich gerade diesem Studiengang doch speziell zugewandt bin: Ich habe – vor allem nach meiner aktiven Hochschulzeit – eine Reihe Kulturprojekte selbst initiiert, gestaltet, organisiert und mich um deren Finanzierung bemüht, wie Kammermusikreihen in Zittau, das EUROPERA-Projekt oder Aufführung großer chorsinfonischer Werke. Ich habe mich quasi als ungelernter KUMA betätigt – und bin dabei erfreulicherweise häufig auf Absolventen des SG getroffen, gleich ob bei den Musikfestspielen Thurn und Taxis in Regensburg, am Theater Görlitz oder in der Nachfolge im EUROPERA-Projekt. Aus all diesen Erfahrungen ist es mir für die Zukunft des inzwischen breiter gefächerten Studienangebotes Kultur und Management nicht bang.

Ich wünsche deshalb den KUMA´s eine gute Zukunft zum Wohle des Studienangebotes Kultur und Management und zum Wohl der gesamten Hochschule Zittau/Görlitz.