Verödung? Kulturpolitische Gegenstrategien

Tagung Freitag 22. und Samstag 23. November 2013, Haus Klingewalde, Görlitz

Veranstalter: Deutscher Kulturrat und Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen im Zusammenwirken mit dem Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien und dem Studiengang Kultur und Management der Hochschule Zittau/Görlitz

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Matthias Theodor Vogt und Olaf Zimmermann (Hrsg.): Verödung? Kulturpolitische Gegenstrategien. Beiträge zur Tagung 22./23. November 2013 in Görlitz. Veranstalter: Deutscher Kulturrat und Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen. Edition kulturelle Infrastruktur, Görlitz und Berlin 2013
[online: vogt_und_zimmermann_veroedung_goerlitz_22-11-2013]

Der Deutsche Kulturrat und das Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen luden im Zusammenwirken mit dem Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien und dem Studiengang Kultur und Management der Hochschule Zittau/Görlitz zur Tagung „Verödung? Kulturpolitische Gegenstrategien“, am Freitag 22. und Samstag 23. November 2013 im Haus Klingewalde, Görlitz, ein.

Der Landrat des Landkreises Görlitz, Bernd Lange, bezeichnet die demographische Entwicklung als „die größte Herausforderung“ für die Region. Zwischen 2006 und 2015 wird die Einwohnerzahl um 21% gesunken sein, das Erwerbspersonenpotential um 36%. So er denn Arbeit hat, wird jeder ungleich mehr Menschen mitzutragen haben:

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Dies ist aber nur die quantitative Seite des Problems. Auf der qualitativen Seite ist ein überproportionaler Wegzug der Jungen, der Mobilen, der Gebildeten, der Frauen zu verzeichnen. Unsere Gesellschaft wird nicht nur insgesamt weniger und älter. Im nicht-metropolitanen Raum außerhalb der Ballungszentren verändert sich die Zusammensetzung der Gesellschaft besonders signifikant: der Jugendüberschuß (Alterskohorten 20 – 35 Jahre) von Dresden-Leipzig-Chemnitz gegenüber den anderen Räumen Sachsens beträgt volle 50%. Der Akademikerüberschuss (Personen mit Hochschulabschluss) beträgt sogar 100%.

Der Blick über die Landesgrenzen zeigt, wohin diese Entwicklung führen kann. Im Balkan gibt es schon Kommunen ganz ohne Akademiker. Sie müßten bildungspolitisch gesehen also ganz von vorne anfangen, was sie aus eigenen Kräften jedoch nicht vermögen. Im neben Armenien ältesten christlichen Land Europas, Georgien, ist ein wesentlicher Teil der Bevölkerung ausgewandert, die anderen ballen sich in der Hauptstadt, das Land jenseits der Großstädte ist weitgehend verödet und der Humanressourcen entblößt.

In der auf technische Faktoren zentrierten Diskussion der demographischen Entwicklung bleiben bislang die mentalen Faktoren weitgehend ausgeblendet. Mobilität ist unzweifelhaft eine Frage harter Faktoren wie der eines ausdifferenzierten Arbeitsmarktes, eines vielfältigen Heiratsmarktes oder einer intakten sozialen Infrastruktur von den Medizinern, über die Kindertagesstätten bis zu den Altersheimen. Die Attraktivität einer Region hängt  aber wesentlich auch von ihrer Wahrnehmung von innen und von außen ab Die Frage unserer Tagung ist, ob Kunst und Kultur zu einer Hebung der Attraktivität aller Regionen des Freistaates Sachsen gerade unter den Jüngeren beitragen können. Welche politischen Steuerungsmechanismen sind hierfür notwendig?

Mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen haben wir die kulturpolitischen Sprecher aller im Landtag vertretenen demokratischen Parteien gebeten, uns darüber zu informieren, welche kulturpolitischen Strategien die Parteien zur Vermeidung tendenzieller Verödung mancher Teile Sachsens  vorschlagen.

Ebenso haben Vertreter aller Kulturräume aus ihren bisherigen Erfahrungen mit dieser Thematik berichtet sowie darüber, welche Hoffnungen und Sorgen sie mit Blick auf die zukünftige Entwicklung des Kulturraumgesetzes haben.

Für die Diskussion mit den Abgeordneten und Kultursekretären war breiter Raum vorgesehen. Die kulturellen Akteure und kulturpolitisch Interessierten aus allen Teilen Sachsens und darüber hinaus waren herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen und damit Impulse für die künftige Kulturpolitik Sachsens zu setzen.