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Afrika, anders
Studientag Görlitz
24. Mai 2019

Publikumsgespräch mit Experten und Einheimischen

Konzept: Prof. Dr. Matthias Theodor Vogt

Eintritt frei, bitte anmelden unter <afrika@kultur.org>
Hochschule Zittau/Görlitz, Haus G VI (Haus Klingewalde)
Klingewalde 40, D-02828 Görlitz

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Bitte finden Sie hier das aktuelle Programm: Vogt_Studientag-Afrika-2019-05-24_Entwurf-190415

Idee

Wir wollen über die innerafrikanische „Andersheit“ sprechen, die Endo-Alterität. Über die Potentiale einer sächsischen Weltoffenheit und eines „Lernens von Afrika“ für Partnerschaften mit der Subsahara. Im Zentrum steht das Fragen nach kultureller Nachhaltigkeit, der vierten Säule des globalen Ringens um die Bewohnbarkeit unseres Planeten.

Mit 30 Millionen Quadratkilometer ist Afrika fast so groß wie die gesamte Oberfläche des Mondes (38 Mio. km²) und für manche vermutlich ähnlich weit entfernt. Bei über 2.000 Sprachen und ebensoviel Ethnien mit 1,320 Milliarden Menschen und bei einem Bevölkerungswachstum von 2,66% pro Jahr in der Subsahara (Europa liegt bei 0,66%) liegen Vereinfachungen nahe. Aber „Afrika“ oder auch „Europa“ gibt es nicht im Singular, beide Kontinente weisen eine hohe Binnendiversität auf – auf der Makroebene der Naturräume, auf der Mesoebene der politischen Staaten und auf der Mikroebene der tatsächlichen regionalen Lebensräume seiner Bewohner. Thomas Bauer macht in „Die Vereindeutigung der Welt“ (2018) auf die großen Gefahren aufmerksam, die aus Vereinfachungen resultieren, und auf die Verantwortung gerade von Wissenschaft, das Spiel der Ambivalenzen sichtbar und erfahrbar zu machen. Der Blick vieler Europäer auf Afrika ist noch immer von Stereotypen des frühen 20. Jahrhunderts oder der „Dritten Welt“ aus den 60er Jahren und nun von scheinbarer Political Correctness geprägt. Sie haben allesamt wenig mit der heutigen Realität zu tun, wie Hans Rosling in „Factfulness“ (2018), Volker Seitz in „Afrika wird armregiert“ (2018), Barbara Achermann zum „Frauenwunderland“ Ruanda (2018) oder Felwine Sarr in „Afrotopia“ (2016) gezeigt haben. Afrikas 54 Staaten wurden erst um 1960 souverän. Das sind gerade einmal 60 Jahre beispielsweise für Kameruns 240 Ethnien mit ihrer meist komplexen binnenafrikanischen Migrationsgeschichte, um selbstbestimmt ein gemeinsames Ordnungsgefüge aufzubauen. Ihre Stimmen gilt es zu hören.

Programm

09:30 Uhr: Begrüßungskaffee

10:00 Uhr Forum 1: Mit „Factfulness“ zu Afrika sprechen: überholte Bilder überwinden

Impulse: Botschafter a.D. Erwin Hofer, Luzern, berichtet von seinen Erfahrungen in und mit Afrika im Kontext der gegenwärtigen europäischen Probleme. Aus Yaounde stellt die Doktorandin Aimée Nguemtchueng das aktuelle Deutschlandbild in Kamerun vor. Holger Zaborowski von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar zeigt ethische Normen bei einer „Vereindeutigung der Welt“.

11:30 Uhr: Kaffepause

12:00 Uhr Forum 2: „Entwicklungshilfe“ oder „Lernen von Afrika“ (Horst Köhler)?

Impulse: Kurt Gerhardt, Köln, berichtet, was Rupert Neudeck und viele weitere zum „Bonner Aufruf“ veranlaßt hat. Wie ließe sich die Zusammenarbeit mit Afrika anders und endlich nachhaltig gestalten? Konstantin Kotsas von der Industrie- und Handelskammer Chemnitz und Frédéric Essam von IBM Deutschland sprechen über wirtschaftliche Verbindungen zwischen Deutschland und Afrika.

13:30 Uhr Mittagspause und viel Raum für individuelle Gespräche

15:00 Uhr Forum 3: Kulturelle Nachhaltigkeit, die vierte Säule des globalen Ringens um die Bewohnbarkeit unseres Planeten.

Impulse: Atobé Koaudio forscht in Abidjan zur Jugendsprache Nouchi. Barbara Deml berichtet über die von ihr geleitete Frauenkonsultation „Frauen, Reformation und die Eine Welt“. Amina Tall von der Deutsch-Arabischen Gesellschaft spricht vom Damals und Heute der Frauen in Burkina Faso. Daran knüpfen Matthias Theodor Vogt und Sylwia Dołzbłasz mit der Vorstellung eines Ausstellungskonzeptes „Kamerun mit den Augen von tausend Frauen“ als ganz neuem Format der Außenkulturpolitik an.

17:00 Uhr: Erfrischungen und Ausklang

Hinweis:

Samstag 25. Mai, 10:00 Uhr: Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz (anderer Veranstalter)
Ideenwerkstatt zur Afrikapolitik. „Weltfremdes Europa? Weltoffenes Sachsen!“
Mit Günter Nooke, Persönlicher Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin,
Heike Zettwitz, Wirtschaftsdezernentin des Landkreises Görlitz, u.a..

Gesprächsteilnehmer

Barbara Deml, Berlin, ist ab Mai Landespfarrerin für Ökumene der EKBO und war bis April Abteilungsleiterin Kommunikation und Kooperation beim Berliner Missionswerk, Ökumenisches Zentrum.

Prof. Dr. Sylwia Dołzbłasz arbeitet am Institut für Geographie und Regionalentwicklung im Department für Raummanagement der Universität Breslau.

Frédéric Essam, IBM Deutschland, ist Vorsitzender Ident-Afrique Köln.

Kurt Gerhardt, Köln, ist Mitinitiator des „Bonner Aufrufs“ zusammen mit Rupert Neudeck und anderen. Die „Stimme des Mittagsmagazines“ in WDR 2, später Brüssel. Drei Jahre Landesbeauftragter des „Deutschen Entwicklungsdienstes“ im Niger in Westafrika.

Ex. Erwin H. Hofer, Luzern, ist Botschafter a.D. und Oberst a D im Armeestab. Mitglied des Planungsstabes des EDA verantwortlich für Afrika; Präsident der Genfer Abrüstungskonferenz 2000–2004; letzter akkreditierter Schweizer Botschafter in Libyen; Lehrbeauftragter an der Wirtschaftshochschule St. Gallen.

Dr. rer. nat. Konstantin Kotsas, Industrie- und Handelskammer Chemnitz, ist EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

cand. Atobé Kouadio, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt und Hochschule Zittau/Görlitz. Feldforschungen zur Jugendsprache in der Elfenbeinküste.

cand. Aimée Nguemtchueng, Université Yaounde I und Hochschule Zittau/Görlitz, ist Literatur- und Sprachwissenschaftlerin.

Dr. phil. Amina Tall, Berlin. Leiterin der Geschäftsstelle der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres, Burkina Faso.

Prof. Dr. habil. Dr. h.c. Matthias Theodor Vogt ist geschäftsführender Direktor des Instituts für kulturelle Infrastruktur Sachsen und Professor für Kulturpolitik an der Hochschule Zittau/Görlitz.

Prof. Dr. phil. habil. Holger Zaborowski, ist Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. Professor für Geschichte der Philosophie und philosophische Ethik.

Organisation

Der Studientag wird organisiert von Studierenden „Kultur und Management“ Görlitz und mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des durch den
Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes (LDS: C31-1222/9/197-IR).